Das ist Lust

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

Daniel Schreiber (Übersetzung)

Couch-Wertung

5
Story
Erotik-Faktor

Story

Erfolgreicher Mann bedrängt und umschwirrt auf eine zugewandte und gleichzeitig ichbezogene Art Frauen, typischer Chauvi. In der heutigen Zeit ist das nicht mehr so en Vogue und als er wegen sexueller Belästigung gefeuert wird, versteht er auf einmal die Welt nicht mehr. War doch alles nicht böse gemeint.

Erotik-Faktor

Fehlanzeige. Trotz des Titels, der anderes verspricht.

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Sigrid Tinz
Null Lust, nirgends

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Mai 2021

Quin ist prominenter Verlagsmensch, mit einem Riecher für Bücher und Autorinnen. Demensprechend erfolgreich und einflussreich ist er, begehrt und umschwärmt.

Er ist zur einen Hälfte Ich-Erzähler dieses Buches, die andere Hälfte fällt Margot zu. Seiner platonischen besten Freundin, ebenfalls im Buchgeschäft. Die beiden kennen sich, seit sie bei ihm zum Vorstellungsgespräch war, die Stelle aber nicht bekommen hat. Sondern später dann eine Einladung zum Essen, bei der sie sich zugewandt unterhalten haben. Und bei der Quin - „Ihre Stimme hat so viel Kraft. Sie sprechen direkt aus der Klitoris“ – Margot zwischen die Beine gefasst hat. Sie hat ihm gesagt, er solle das lassen. Zitat Margot: „Am stärksten ist mir von jenem Abend Quins Gesichtsausdruck in Erinnerung geblieben, als er vor meiner erhobenen Hand zurückwich. Dieser verblüffte Gehorsam, der irgendwie geerdet wirkte, genuiner als seine grapschende Hand.“

Quin, der Grapscher

Auch wenn man nicht ganz genau weiß, wie dieser etwas schwurbelige Satz zu verstehen sein soll, versteht man doch: „Frau muss halt „nein“ sagen, wenn sie was nicht will. Das verwirrt einen Grapscher zwar; aber er gehorcht. Das ist nichts anderes als das gute alte „Wer sich sowas gefallen lässt, ist selber schuld.“ Dabei ist die Debatte längst weiter. Ziel sollte nicht als erstes sein, Frauen und Mädchen beizubringen, dass sie das Recht haben, nein zu sagen und ihnen zweitens beizubringen, mit welchen Techniken sie sich wehren können. Ziel sollte sein, Männer und Jungen so zu erziehen, dass sie Frauen erst gar nicht als Objekt ihrer Bedürfniserfüllung sehen und sie in eine Lage bringen, die es nötig macht, dass sie sich wehren.

Übergriffig oder exzentrisch, spezieller Humor oder flirty, das ist auch bei Quin immer die Frage. Wenn er einer Kollegin übers T-Shirt streicht, bis die Nippel stehen oder er eine wildfremde Frau fragt, woran sie beim Masturbieren denkt – kann sie ja nein sagen.

Nun ist aber auch in Quins und Margots Welt der Zeitgeist so, dass die Opfer irgendwann erkennen, dass sie eben nicht selbst schuld sind oder waren. Oder Männer halt so sind. Sondern dass sie sich zu Recht bedrängt, beschämt, benutzt fühlen und es dann auch sagen, öffentlich. Oder die Taten zur Anzeige bringen, wenn sie noch nicht verjährt sind. #MeToo und so weiter … darüber ist viel geredet und geschrieben worden, und wird es auch wohl noch werden.

MeToo oder Flirten

In dieser Geschichte hat es nun Quin erwischt. Verschiedene Frauen aus seiner Vergangenheit haben ihn öffentlich angeklagt, er hat seine Stelle verloren. Wehleidig beschreibt er sich in seinen Kapiteln als Opfer der weiblichen Reize, er kann halt nicht anders als alle anzubaggern, egal wie alt und egal ob seine reizende Frau oder gar seine kleine Tochter dabei sind. Er versteht die Welt nicht mehr. Margot versucht sie ihm zu erklären: „Frauen sind wie Pferde. Sie wollen geführt, aber auch respektiert werden. Du musst dir immer wieder ihren Respekt verdienen. Sonst schmeißen sie dich ab und stolzieren auf der Koppel herum, während du am Boden liegst und blutest.“  Wäre das Buch nicht ausdrücklich als kluger, differenzierter Beitrag zum sexuellen Missbrauch angekündigt, könnte man es vielleicht als Persiflage lesen und an dieser Stelle lachen. Aber so denkt man eigentlich nur: „What?“

Fazit

„Das ist Lust“ bringt keine Lust und lustig ist es auch nicht. Das wäre es vielleicht, wenn die Geschichte nicht als wichtiger Beitrag zur #MeToo-Debatte vermarktet würde. Aber: so liest man ernsthaft und stellt fest, dass sie wenig bis nichts Neues hinzuzufügen hat. Eigentlich ist die Debatte längst weiter. Sexuelle Handlungen gibt es in der Story quasi gar nicht. Fast ein Glück, wer weiß in welcher Art und Weise dieses Thema hier verhackstückt worden wäre. Allerdings suggeriert der Titel etwas anderes – aber wer ein lustvolles Buch erwartetet, wird von dem schmalen Bändchen sehr enttäuscht.

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