Talk about Sex –
Das Kommunikations-
spiel für Paare

Spiel-Kritik von Kathrin Walther

Spannender Gesprächsstoff für Paare, die nicht davor zurückschrecken, sich auf Gespräche außerhalb der Komfortzone einzulassen.

Communication is key“ – Ein Satz, der in vielen Bereichen Bedeutung hat und oft der Schlüssel zum Erfolg ist. Will man Missverständnissen verbeugen, Vertrauen aufbauen oder Konflikte lösen, ist gute Kommunikation sowohl beruflich als auch privat wichtig. Je nachdem, worum es dabei geht, fällt es uns manchmal leichter, manchmal schwerer, mit unserem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Gerade im sexuellen Bereich ist gute Kommunikation ausschlaggebend, damit beide Partner auf ihre Kosten kommen, gleichzeitig fällt es vielen unglaublich schwer, über ihre diesbezüglichen Wünsche und Vorstellungen zu sprechen.

Als Sexualtherapeut weiß Carsten Müller, dass durch diesen Mangel an Kommunikation nicht selten Unzufriedenheit im Bett entsteht, die sich langfristig in immer weniger Sex und manchmal auch in Beziehungskonflikten äußert. Um Paare wieder ins Gespräch zu bringen oder aber ihnen ganz neuen Gesprächsstoff zu liefern, hat er 2022 bereits das Kommunikationsspiel „Talk about“ herausgebracht, in dem Grundlagen für eine allgemeine Sprachfähigkeit im Bereich Sex aufgebaut werden können und in dem unter anderem die Themen Sex, Zukunft, Glück, Werte oder auch Gefühle zur Sprache kommen. Mit „Talk about Sex“ kommt nun die Fortsetzung, in der noch etwas tiefer in die „Materie“ eingetaucht werden kann und die Themen sexuelle Fantasien, Gefühle und Liebe zum Detail im Fokus stehen.

110 Karten sorgen für heiße Gespräche

Talk about Sex“ richtet sich an zwei Spielende beziehungsweise ein Paar ab 18 Jahren, das sich nicht davor zurückschreckt, über Sex, Fantasien und Gefühle miteinander ins Gespräch zu kommen. Bevor es losgehen kann, sollten alle störenden Einflüsse wie beispielsweise Smartphones ausgeschaltet werden, damit sich beide Partner voll auf das Gespräch konzentrieren können und die Aufmerksamkeit nicht auf etwas anderem liegt.

Anschließend bekommt jeder Partner einen Satz Zahlenkarten von 1 bis 4, wobei die 1 für „Ich stimme voll und ganz zu“  und die 4 für „Ich stimme gar nicht zu“ steht. Haben sich beide Partner geeinigt, ob sie die Kategorie „Sexuelle Fantasien“, „Liebe zum Detail“ oder aber beide Themen gemischt spielen, kann es auch schon losgehen. Die Karten werden entsprechend gemischt und als verdeckter Stapel in die Mittel gelegt. Als nächstes wird die oberste Karte offen in die Mitte gelegt und von beiden Spielern bewertet. Dazu überlegen beide, wie sie zur Aussage auf der Karte stehen, wählen die entsprechende Zahlenkarte aus, die am besten zu ihrer Einschätzung passt, und legen sie verdeckt vor sich ab.

Nun beginnt die erste Gesprächsrunde, in der beide Partner erst einmal einzuschätzen versuchen, welche Zahlenkarte das Gegenüber wahrscheinlich gewählt hat und begründen ihre Einschätzung. Anschließend decken beide ihre Karten auf und tauschen sich über das Statement und ihre persönliche Einschätzung aus, wobei Erfahrungen und Gedanken geteilt werden können.

Wichtig ist, den Partner ausreden zu lassen und sich genügend Zeit für jede Karte zu nehmen. Bestenfalls gelingt es, sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen und nachvollziehen zu können, was er oder sie sagt, andernfalls sollte nachgefragt und offene Fragen geklärt werden. Meinungen und Äußerungen sollten ernst genommen und respektiert werden, um den anderen nicht zu verletzen und spannende und ergebnisoffene Unterhaltungen zu ermöglichen.

Das Ende des Spiels ist offen, es gibt keinen Sieger und keine Mindestanzahl an durchzuspielenden Karten pro Partie. Im Fokus steht der positive Austausch. Natürlich kann es auch zu unterschiedlichen Standpunkten kommen, sodass es teilweise herausfordernd sein kann, „das Positive zu sehen“. Der Hinweis, dass „Unterschiedlichkeiten eine Beziehung beleben und auch dazu gehören“, bringt es jedoch abschließend auf den Punkt und zeigt, dass es vollkommen normal ist, auch einmal unterschiedlicher Meinung zu sein.

Deeptalk statt Smalltalk

Für „Talk about Sex“ muss man kein großer Spieler sein. Die wenigen und einfachen Regeln sind nach dem ersten Lesen verstanden, sodass direkt mit der ersten Runde gestartet werden kann. Was die beiden Partner dann erwartet, sind Karten, die zu Gesprächen über sexuelle Fantasien oder Liebe zum Detail einladen und den Weg zu tiefgründigen Gesprächen öffnen.

Schön ist die Idee, sich zu jeder Aussage zunächst mit dem eigenen Standpunkt auseinanderzusetzen, was mithilfe der Zahlenkarten relativ einfach ist. Dass anschließend erst einmal nur geschätzt und begründet wird, was wohl der Partner ausgewählt hat, macht es spannend, denn hier muss sich gut in das Gegenüber hineinversetzt werden. Im daraus resultierenden Gespräch kann dann an diese Einschätzung angeknüpft werden und nicht selten kommen Themen auf den Tisch, über die sich sonst eher selten unterhalten wird.

Beim Thema „Liebe zum Detail“ gibt es beispielsweise (einfachere) Statements wie „Ich weiß, was deine Lieblingsspeise ist“ oder „Ich kenne alle unsere Jahrestage“, während Aussagen wie „Mir fehlt ein eigener Rückzugsort“ oder „Dir im Alter den Popo abzuputzen, kann ich mir vorstellen“ schon etwas herausfordernder sein können. Deutlich heißer geht es dann beim Thema „Fantasien“ zu. Mit Statements wie „Die Prostata würde ich gerne in unsere sexuellen Aktivitäten einbauen“ oder „Dir beim Solosex zuzuschauen, macht mich an“ wird die Komfortzone einiger Spieler  wahrscheinlich doch verlassen, sodass die Zahlenkarten ziemlich hilfreich sein können, um ins Gespräch zu finden und sich langsam an die jeweiligen Themen herantasten zu können.

Für alle, denen es allgemein etwas schwerer fällt, über Themen wie Sex und Fantasien zu sprechen, findet sich im Beiheft eine kleine Auswahl an Fragen, die zu einem leichteren Einstieg beim gemeinsamen Austausch helfen können, wie beispielsweise „Wie könnte eine andere Antwort aussehen, und was müsste dazu passieren?“ oder „Welche Gefühle spielen bei deiner Antwort eine Rolle?“

Wie wichtig eine gute Kommunikation innerhalb einer Beziehung ist, erklärt Carsten Müller noch weiter im Vorwort zum Spiel und bringt es auf den Punkt: „Leben ist immer in Bewegung und Blickwinkel verändern sich. Deshalb ist es gerade in Phasen der Veränderung wichtig, als Paar innezuhalten und im übertragenen Sinne nach links und rechts zu schauen. Das Spiel nimmt euch dabei an die Hand, bringt die Kommunikation ins Rollen und schenkt euch einfach eine gute, gemeinsame Zeit.“

Fazit

Insgesamt bietet „Talk about Sex“ viele spannende Gesprächsanlässe, die dazu einladen, miteinander über Themen in den Austausch zu kommen, die auch in Beziehungen wahrscheinlich nicht zum Alltag gehören. Die Zahlenkarten sorgen dafür, dass sich beide Partner zunächst in ihr Gegenüber hineinversetzen und einen eigenen Standpunkt bilden, sodass eine gute Grundlage für ein anschließendes Gespräch vorliegt, auf die dann aufgebaut werden kann. Ein empfehlenswertes Spiel für alle, die sich gerne ungewöhnlichen Fragen stellen oder auch für diejenigen, denen es bisher schwerfällt, über Sex und Fantasien zu sprechen und sich durch das Kartenspiel etwas Starthilfe wünschen.

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Spiel-Info

  • Pappschachtel mit 110 Fragenkarten
  • Hersteller: EMF

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