Was Liebe braucht

Erschienen: Juli 2020

Bibliographische Angaben

Michael Windgassen (Übersetzer)

Couch-Wertung

9
Story
Erotik-Faktor

Story

Der Tonfall ist sehr psychotherapeutisch, aber sehr warm und menschenfreundlich und nimmt dem oft harschen Thema sehr viel von seiner Härte.

Erotik-Faktor

Sehr wenig, es geht um Fakten und Gefühle, nie um Praktiken.

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Sigrid Tinz
Liebe und Leidenschaft sind Gegensätze

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Mai 2021

Ester Perel ist der Guru in Beziehungsfragen, so kündigt der Klappentext sie an, und wenn man liest, wer sie ist und was sie macht, dann stimmt das: Sie ist langjährige Psychologin und Paartherapeutin, ihre Klientinnen und Klienten kommen aus der ganzen Welt. Sie lebt selber multikulturell und hat so einen wunderbar objektiven Blick auf alles, was rund um Beziehung eben einfach so zu sein scheint – auch, wenn es irgendwann, woanders ganz anders war und ist. Grund genug, ein Buch zu lesen, das sie geschrieben hat.

Absolut lesenswert

Und es lohnt sich. Denn zu Liebe, Sex und Zärtlichkeit gibt es keine Gesetze und keine absoluten Wahrheiten. Vieles ist Zeitgeist, sind Fantasien und Wünsche, und auch von jeder Person abhängig.

Im Kern geht es in diesem Buch darum, dass viele westliche modernen Paare sich zwar mögen und auch oft durch dick und dünn gehen – aber kaum noch oder gar keinen Sex miteinander haben. Und darunter leiden.

Weil sie eben keinen Sex haben.

Weil sie den Drang haben, fremdzugehen.

Weil einer genau das macht, oder beide.

Wir lernen eine Vielzahl ihrer Klientinnen und Klienten kennen, ihre persönlichen Schicksale. Aber schnell schlägt Perel wieder den Bogen zum Allgemeinen, um zu zeigen, was sie ganz grundsätzlich aussagen wollte:

Dass Monogamie und exklusive Liebe zu zweit als das Ideal unserer Zeit gelten. Aber weit mehr als die Hälfte aller Ehen geschieden werden und noch häufiger Seitensprünge vorkommen.

Sex oder Liebe?

Dass Intimität und Nähe das Ziel einer Liebe und Partnerschaft sind, aber sobald es erreicht ist, es sich wie ein „Anti-Aphrodisiakum“ auswirkt, ist eine ihrer Thesen. Nicht unbedingt, weil wir den anderen beim Fußnägel schneiden erleben und das die Lust tötet. Sondern eher, weil wir uns wechselseitig als unser Eigentum sehen – und alles an Lustempfinden in uns und auch im anderen versuchen zu töten, das sich nicht auf Ihn bzw. Sie bezieht. Sogar die Fantasie und das Flirten. Allein das zu thematisieren, ist der Erfahrung von Ester Perel nach schon ein belebender Einfluss für lustlose Liebende. Oder es kriselt dann richtig. Aber dann dürfte fehlender Sex nicht das einzige Problem der Beziehung gewesen sein.

Wer schon Bücher von Ester Perel gelesen hat, der wird hier sicher nichts substantiell Neues finden. Sie hat im Laufe ihrer Arbeit ihre Sicht der Dinge gewonnen und die zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Aber jedes Mal ist der Fokus ein bisschen anders, deshalb ist auch dieses hier ein gutes Buch, das interessiert lesen wird, wer sie kennt und schätzt.

Fazit:

Wer noch kein Buch von Ester Perel gelesen hat, dem sei es sehr, sehr ans Herz gelegt. Es ist ein erfrischend liberaler und sehr menschenfreundlicher Blick auf die zeitgenössische Paarbeziehung und enthält viele Gedanken, wie im Dreieck aus Monogamie, Fremdgehen und Polyamorie eine zeitgemäße, lustvolle, liebende Zweierbeziehung aussehen könnte.

Was Liebe braucht

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