Let´s talk about Sex

Erschienen: September 2021

Couch-Wertung

7
Story
Erotik-Faktor

Story

Da es sich um einen Ratgeber in Form einer Graphic Novel handelt, gibt es nicht direkt eine Story. Es wird eher auf lockere Art und Weise die Arbeitsweise einer Sexologin beschrieben und gezeigt, wie in einer Therapie an verschiedenen Problemen und Schwierigkeiten rund um das Thema Sexualität herangegangen und geholfen wird.

Erotik-Faktor

Als Ratgeber und Sachbuch ist der Erotik-Faktor eher niedrig anzusetzen. Dennoch finden sich verschiedene Szenen, die auch diesen Bereich ansprechen.

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Kathrin Walther
Zu Besuch bei der Sexologin

Buch-Rezension von Kathrin Walther Okt 2021

Persönliche Probleme behalten viele lieber für sich. Auch wenn der Gang zum Psychologen so langsam „salonfähig“ wird und man mit einigen Krankheiten wie Burnout, Depressionen oder auch Angststörungen nicht mehr als „verrückt“ eingestuft wird und relativ offen drüber sprechen kann, bleiben doch einige Bereiche, die lieber „geheim“ bleiben sollen. Eindeutig in diesen Bereich fällt der Besuch beim Sexologen, denn wer würde schon offen zugeben, dass es bei ihm oder ihr nicht so funktioniert, wie erwartet und man nicht in der Lage ist, die Wünsche des Partners (oder auch die eigenen) zu erfüllen? Auch der Schritt, sich Hilfe beim Sexologen zu suchen, fällt vielen wahrscheinlich ziemlich schwer; denn offen über Sex, Bedürfnisse und Gefühle zu sprechen ist für die meisten einerseits sehr ungewohnt, andererseits schwirren rund um den Besuch beim Sexologen noch immer viele falsche Vorstellungen in den Köpfen umher. Was beim Sexologen wirklich passiert und wie bei den unterschiedlichsten sexuellen Problemen geholfen wird, erklärt „Let’s talk about Sex“.

Was passiert beim Sexologen?

Dieser Frage gehen Dania Schiftan, einigen vielleicht bereits aus den Medien bekannt, wenn es um das Thema „Sex“ geht, und der Zeichner Louis Harrison in ihrer gemeinsamen Graphic Novel nach. Schon um das Aussehen des Therapieraums ragen sich viele Mythen, wie Louis Harrison zeigt, als er seine eigene Vorstellung zu diesem Raum auf Papier bringt, in der sich ein riesiges Bett mit allerlei „Utensilien“ von Kostümen über Peitsche bis hin zur Dildosammlung findet.

Die Realität unterscheidet sich hiervon dann doch stark, denn neben drei Sesseln, einem davon für die Therapeutin, zwei kleinen Tischchen und einer Box mit Taschentüchern ist der Raum leer. Wie eine Therapie ansonsten abläuft, erklären die beiden in den nächsten elf Kapiteln.

Angefangen beim Abschnitt „Gangschaltung“ geht es unter anderem mit den Themen „Ferien-Sex“, „Sexuelle Entwicklung“, „Sexdate“ oder auch „Liebeskummer“ weiter. Wer am Ende noch nicht genug hat und gerne noch weiterlesen möchte, findet im Internet auf der Seite von Dania Schiftan sogar noch eine Bonusgeschichte, welche jedoch erst durch das Erfragen eines Passworts online gelesen werden kann.

Sachbuch oder Comic?

„Let’s talk about Sex“ ist kein gewöhnliches Sachbuch und unterscheidet sich nicht allein durch die Umsetzung als Graphic Novel von anderen Büchern dieser Art. Das Buch beinhaltet einen gezeichneten Dialog zwischen Dania Schiftan und Louis Harrison, bei dem Schiftan die Fragen des Zeichners beantwortet und dabei aus dem Nähkästchen und ihren Fällen in der Praxis erzählt (natürlich abgeändert, angepasst und ohne dass man Rückschlüsse auf reelle Personen schließen kann).

Die Situationen sind dabei so gewählt, dass sie sich auf ziemlich viele Personen übertragen lassen, sodass sich wahrscheinlich jeder schon einmal mit dem ein oder anderen Problem auseinandergesetzt hat oder in Zukunft vielleicht in die ein oder andere Situation kommen kann. An einigen Stellen gibt es zudem Theorie-Exkurse. Dania Schiftan geht dann gemeinsam mit ihrem Zeichner in den sogenannten „virtuellen Raum", was sich nicht nur an den anders aussehenden Figuren, sondern auch am Knopfdruck auf dem Armband der Therapeutin erkennen lässt. In diesen Abschnitten geht es dann beispielsweise um verschiedene Formen von Penissen und ihre sexuelle Stimulation, die Hintergründe und Wirkung von Fetischen oder auch Traum vs. Realität in längeren Beziehungen.

Die Länge der Kapitel unterscheidet sich dabei je nach Umfang des Themas und kann auch mal nur eine Seite lang sein. Der Schwerpunkt liegt daher eher auf einer Themenvielfalt, weniger an einem in die Tiefe gehen, was auch kaum möglich sein wird, da sich die Schwierigkeiten in der Tiefe dann doch wieder mehr individualisieren werden. Stellenweise irritiert es ein wenig, dass die Kapitel völlig unabhängig voneinander sind und man sich am Anfang direkt in einer neuen Szene mit neuen Figuren befindet und sich erst einmal orientieren muss, wer mit welchem Anliegen in die Therapie gekommen ist.

Gestaltung

Als Graphic Novel spielen die Bilder natürlich eine große Rolle und sind zum Verständnis des Textes unverzichtbar, da sie an einigen Stellen zusätzliche Erklärungen liefern oder die Reaktionen und Gefühle der Figuren veranschaulichen. Die Bilder selbst passen stilistisch gut zum Werk und sprechen Erwachsene an. Sie sind realitätsnah und die Ähnlichkeit der Charaktere zu ihrem echten „Ich“ in Form von Dania Schiftan und Louis Harrison ist gut getroffen.

Das Buch ist durchgängig farbig illustriert, die Abfolge der Bilder und Sprechblasen ist in den meisten Fällen direkt ersichtlich. Sprachlich orientiert sich der Text an der gesprochenen Sprache, da es sich abgesehen von einem kurzen Einführungstext ausschließlich um Sprechblasen handelt. Einige Szenen werden nicht abgebildet, sondern befinden sich hinter dem „Nebel der Fantasie", um auch den Lesern entgegen zu kommen, die lieber ihre eigene Fantasie spielen lassen. Wer sie lieber sehen möchte, kann sie auch auf der Seite der Bonusgeschichte per Passwort einsehen.

Fazit:

Insgesamt ist „Let’s talk about Sex“ eine gelungene Mischung aus Ratgeber, Graphic Novel und Sachbuch. Es zeigt, wie ein Besuch beim Sexologen ablaufen kann, sodass weit verbreitete Vorurteile abgebaut werden können. Die Themen werden zwar eher oberflächlich und kurz abgehandelt, geben dabei jedoch eine vielfältige Übersicht und vielleicht ist für den ein oder anderen ein passender Tipp vorhanden, mit dem sich dann weiterarbeiten lässt.

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