Don’t miss the Clitoris

Don’t miss the Clitoris
Don’t miss the Clitoris
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Kathrin Walther
8101

Erotik-Couch Rezension vonSep 2026

Story

Ein kompaktes Buch voller Informationen, das zum Thema Klitoris kaum Fragen unbeantwortet lässt.

Erotik-Faktor

Als Sachbuch ist der Erotik-Faktor von den Lesenden abhängig, je nachdem, wie sie den Inhalt für ihr Liebesleben nutzen und umsetzen.

Ein Aufklärungsbuch der etwas anderen Art.

Die These „Die Cliteracy einer Gesellschaft ist ein Marker für deren Gleichberechtigung und Zivilisiertheit“, die Mandy Mangler in ihrem Buch „Don’t Miss the Clitoris“ aufstellt, kann auf den ersten Blick erst einmal etwas befremdlich wirken. Was bitte schön bedeutet „Cliteracy“ und warum soll gerade dieser Begriff etwas über die Gleichberechtigung und Zivilisiertheit einer Gesellschaft aussagen? Erst einmal vorweg, „Clitoracy“ steht für Klitoriskompetenz. Je größer also das Wissen um die weibliche Klitoris, desto zivilisierter ist auch die jeweilige Gesellschaft. Dass das Wissen um die Klitoris hierzulande noch „ausbaufähig“ ist, um es mal nett zu umschreiben, verdeutlicht die Chefärztin zweier Berliner Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihrem Buch, in dem sie das weibliche Lustorgan mit dem neuesten Stand der Forschung in den Mittelpunkt rückt und aufzeigt, wie (sexuelle) Gleichberechtigung in der Gesellschaft aussehen kann.

Die Klitoris im Fokus

Mandy Mangler beginnt ihr Buch mit einer kurzen Einführung ins Thema, in der sie mit „Eine Kulturgeschichte der Verleugnung“ nicht nur einen historischen Blick auf die Klitoris wirft, sondern auch den aktuellen Stand der Frauenheilkunde, die Klitoris-Ignoranz und ihre (gesundheitlichen) Folgen sowie „Die Zukunft der Klitoris“ thematisiert. Im zweiten Kapitel „Lagebericht der Klitoris“ klärt sie ihre Lesenden über die anatomische Lage des weiblichen Lustorgans auf, bevor es im dritten Kapitel „Vom selben Stern: Analogie von Penis und Klitoris“, für manche vielleicht überraschend, um die vielen Gemeinsamkeiten zwischen männlichem und weiblichem Genital geht.

Im nächsten Abschnitt „Das ist ja reizend. Klitorisstimulation von allen Seiten“ geht sie auf verschiedene Stimulationstechniken ein, bevor sie im nächsten Kapitel klärt, was es mit der AFE-Zone auf sich hat. Natürlich kommt auch das Thema vaginale Penetration nicht zu kurz, doch eventuell anders, als erwartet, denn die These „Brauchen wir sie noch, oder kann sie weg?“ macht schon klar, dass ihr deutlich weniger Bedeutung zukommt, als allgemein angenommen. Passenderweise geht es mit dem Thema „Kontraktionen der guten Sorte: Kein Orgasmus ohne Klitoris“ weiter, in dem sie klarstellt, dass es keinen (weiblichen) Orgasmus ohne Klitoris gibt und in dem sie erklärt, wie das gesellschaftliche Skript zum Thema Sexualität zugunsten klitoraler Stimulation umgeschrieben werden muss. In den nächsten beiden Abschnitten „Klitoris und Beckenboden“ sowie „Der Uterus als Resonanzkörper des Orgasmus“ geht es unter anderem noch einmal um die weibliche Anatomie, bevor sich Kapitel 8 mit „Spiel, Satz und Sieg. Solosex mit und ohne Sextoy“ der weiblichen Masturbation widmet.

Das anschließende Klitoris-Quiz sowie das schnelle Skizzieren einer solchen sollte nach aufmerksamer Lektüre am Ende dann ein Kinderspiel sein, sodass der Verleihung des „Zertifikats für Klitoriskompetenz“ nichts im Wege stehen sollte!

Systematische Vernachlässigung

Die Geschichte der Klitoris ist von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Ist es bei Wissen zu einem Thema normalerweise so, dass es im Laufe der Zeit stetig zunimmt, sieht es rund um die Klitoris leider anders aus, wie sich von Mandy Mangler erfahren lässt: „Spätestens seit dem 17. Jahrhundert ist das Wissen um die korrekte Anatomie der Klitoris verfügbar, wurde aber weitgehend ignoriert und erst von der australischen Urologin Helen O’Connell ab 1998 wieder an die Öffentlichkeit gebracht“ (vgl. s.o.; S.33).

Dass das kein Zufall ist, sondern sich darin die Bedeutung der Frau innerhalb einer Gesellschaft widerspiegelt, prangert die Autorin in ihrem Werk an. Gleichzeitig versucht sie mit „Eine Bedienungsanleitung für die Klitoris" diese Wissenslücke zu füllen, indem sie neben anatomischem und geschichtlichem Hintergrund auch viele praktische Tipps liefert und zeigt, wie eine gleichberechtigte Beziehung auf sexueller Ebene gelingen kann.

Auf nur 130 Seiten gelingt es Mandy Mangler aufzuarbeiten, was viele Jahre lang versäumt wurde. Es ist schon erschreckend zu lesen, dass die Klitoris sowohl in der gynäkologischen als auch in den geburtshilflichen Linien bisher kaum Erwähnung fand und viele heutige Ärzte, ohne im Studium je mit der Klitoris konfrontiert worden zu sein, in ihrer Nähe oder sogar an ihr operieren oder etwaige Beschwerden behandeln. Die Folgen für viele Frauen kann man sich leicht vorstellen! Zum Glück sieht es die Autorin als ihr Ziel, „dem Organ (endlich) zu der selbstverständlichen Präsenz zu verhelfen, die ihm zusteht“.

Wer hier eine trockene Abhandlung des Themas erwartet, liegt zum Glück falsch, denn dank ihrer humorvollen Art liest sich ihr Buch locker weg, ohne dabei an Seriosität zu verlieren. Viele anschaulichen Abbildungen helfen beim Nachvollziehen der anatomischen Beschreibungen und machen Form, Lage und Größe der Klitoris deutlich. Des Weiteren finden sich in Bildern, die sich der weiblichen Stimulation widmen, kleine Herzen mit freudigen beziehungsweise traurigen Gesichtern, die verdeutlichen, welche Zonen dabei besonders berücksichtigt werden sollten.

Für Übersicht sorgen die verschiedenen Kapitel, die sich jeweils einem Themenschwerpunkt widmen. Zwischenüberschriften sorgen für leichte Orientierung innerhalb der Abschnitte, besonders wichtige Sätze sind zusätzlich noch einmal rosafarbig am Rand abgedruckt. An jedem Kapitelende folgt eine rosa hinterlegte Box mit der Überschrift „Klitorale Fakten“, in der alle wichtigen Aspekte noch einmal stichwortartig zusammengefasst werden. Wer noch tiefer ins Thema eintauchen möchte, findet am Ende eine Reihe an Literaturtipps, in denen zu verschiedenen Aspekten weitergelesen werden kann.

Fazit

Ein rundum empfehlenswertes Buch, mit dem Mandy Mangler der lange vernachlässigten Klitoris endlich die Bedeutung zukommen lässt, die ihr zusteht. Es ist zu hoffen, dass dieses Wissen möglichst viele Menschen erreicht und innerhalb der Gesellschaft damit mehr (sexuelle) Gleichberechtigung und eine bessere medizinische Betreuung erreicht werden kann!

Don’t miss the Clitoris

Esther Kogelbloom, Mandy Mangler, insel Verlag

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